Brief an die Aktionäre
das zurückliegende Geschäftsjahr war geprägt von der stärksten Wirtschaftskrise der vergangenen 80 Jahre. Der Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland um nahezu 5 % macht dies überdeutlich. Nahezu alle Branchen der deutschen Wirtschaft waren und sind nach wie vor von der Krise betroffen. Diese hat auch das Vorsorge- und Anlageverhalten unserer Kunden verändert. Unsichere Zukunftsperspektiven und Verluste an den Kapitalmärkten führten zu einer spürbaren Zurückhaltung vieler Kunden bei langfristigen Investitionsentscheidungen. Für MLP wurde diese Entwicklung sichtbar in rückläufigen Erlösen der beiden wichtigsten Bereichen Altersvorsorge und Vermögensmanagement. Insgesamt sind unsere Gesamterlöse mit 532,1 Mio. € um 10,6 % unter dem Vorjahr geblieben.
Auch in unserem Ergebnis waren die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sichtbar. Allerdings ist es uns gelungen, durch ein frühzeitig eingeleitetes und konsequent umgesetztes Kostensenkungsprogramm gegen zu steuern. Dadurch hat sich die Ergebnissituation des Unternehmens bereits ab dem dritten Quartal 2009 wieder deutlich verbessert. Insgesamt erzielten wir im Geschäftsjahr ein Konzernergebnis von 24,2 Mio. €. Dieses liegt nur geringfügig unter dem Wert des Vorjahres von 24,6 Mio. €. Zusammen mit unserer hervorragenden Eigenkapitalausstattung und Liquidität gibt uns dies Handlungsspielraum, um unsere Aktionäre auch nach diesem herausfordernden Geschäftsjahr 2009 am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung eine Dividende für das Geschäftsjahr 2009 in Höhe von 0,25 € vor.
Nachdem der Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life im Jahr 2008 einen Anteil von knapp 27 % an unserem Unternehmen erworben hat, hat die Gesellschaft diesen Anteil im Jahr 2009 in zwei Schritten auf unter 10 % gesenkt. Die deutschen Versicherungsgesellschaften Talanx und Barmenia haben dabei Anteile übernommen und halten nun 9,9 % bzw. 6,7 % der MLP-Aktien. Damit ist die Swiss Life unserer Forderung, ihren Anteil auf unter 10 % zu senken, nachgekommen. Wir begrüßen diesen Schritt und haben dadurch nun eine sehr stabile Aktionärsstruktur, die die Unabhängigkeit des Unternehmens im Interesse der Kunden garantiert.
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat den Finanzdienstleistungssektor in Deutschland zu einer Zeit getroffen, in der sich die gesamte Branche in einem grundlegenden strukturellen Wandel befindet. Dieser begann im Jahr 2005 mit der Reform der Alterssicherung in Deutschland und setzte sich dann in den Jahren 2007 und 2008 mit der Umsetzung der europäischen Versicherungsvermittlerrichtlinie sowie der Markets in Financial Instruments Directive (MiFID) und den Änderungen im Versicherungsvertragsgesetz fort. Die durch die Finanzkrise ausgelöste Diskussion über die Qualität der Finanzberatung in Deutschland mündete in weiteren regulatorischen Änderungen. Grundsätzlich halten wir diesen Wandel für sinnvoll und notwendig, da er im Interesse der Verbraucher ist und eine transparente und kundenorientierte Beratung seit jeher Teil unseres Geschäftsmodells ist. Kurzfristig bedingten diese rasanten Veränderungen aber Anpassungsprozesse, die ihren Niederschlag in zunächst steigenden Kosten und einem erhöhtem administrativen Aufwand finden. Zusammen mit den negativen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise ergibt dies ein sehr herausforderndes Marktumfeld.
MLP hat diese schwierige Marktphase gut gemeistert. Wir haben in den vergangenen Jahren den Wandel aktiv gestaltet und damit MLP von einem unabhängigen Finanz- und Vermögensberater für Akademiker und andere anspruchsvolle Kunden hin zu einem unabhängigen Beratungshaus für Privat- und Firmenkunden sowie institutionelle Investoren weiter entwickelt. Durch die Akquisitionen der Feri Finance AG und der TPC im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge bieten wir heute, basierend auf einer unabhängigen Investmentanalyse, umfassende Beratungskonzepte für unsere Firmenkunden. Ergänzt wird dieses Servicespektrum durch unabhängige Ratingaktivitäten bei Feri.
Diese Positionierung ist zukunftsweisend. Kunden haben einen Anspruch darauf, dass sich die Finanzberatung an ihren Bedürfnissen und Zielen orientiert. Ein Konzept, dem sich unser Unternehmen schon immer verpflichtet hat. Dies bedingt aber zweierlei: der Berater muss unabhängig agieren können und die Beratung muss ganzheitlich sein, also alle Aspekte der privaten oder betrieblichen Finanz- und Vermögensplanung abdecken. Wir werden unseren qualitätsorientierten Weg konsequent weiter beschreiten und unser Beratungs- und Dienstleistungsangebot noch stärker auf die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kunden zuschneiden. Wir werden über eine verstärkte Kundenbindung, die systematische Ausschöpfung aller Potentiale in unserem Kundenstamm und durch Neukundengewinnung Wachstum erzielen. Dieses Ziel unterstreicht auch unsere mittelfristige Prognose für 2012: Mit einer EBIT-Marge (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von 15 % wollen wir das Unternehmen nach dem Ausklingen der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder zu alter Ertragsstärke zurückführen.
Ich hoffe, dass Sie uns auf diesem Weg weiterhin begleiten und bedanke mich bei Ihnen für das ausgesprochene Vertrauen im schwierigen Geschäftsjahr 2009.
Ihr
Dr. Uwe Schroeder-Wildberg
